Pulvermaar

Eifel-Augen

Maare, die blauen „Augen der Eifel“

Im Volksmund der zentralen Eifel werden alle Seen vulkanischen Ursprungs „Maare“ genannt. Dass die Maare ihre Entstehung einer besonderen erdkundlichen = geologischen Situation verdanken, war früher natürlich nicht bekannt. Aber die räumliche Nähe der Maare, ihre meist runde Form und beträchtliche Tiefe machten den Menschen bereits früh bewusst, hier etwas Besonderes vorzufinden, auch wenn erst der moderne Blick aus Flugzeug oder Heißluftballon den vollen Reiz und zugleich das Geheimnis dieser Naturschönheiten offen legt: Die Maare sind die „Augen der Eifel“. Das Wort „Maar“ leitet sich übrigens ab von lateinisch mare (dt. Meer) bzw. lat. mara (dt. See). Es ist ein altes Lehnwort aus römischer Zeit in der deutschen Sprache und - mit vielen anderen Wörtern im moselfränkischen Dialektraum - ein Zeugnis für den Umstand, dass bis weit ins Mittelalter hinein Latein die Umgangssprache der Menschen beidseits der Mosel war.

Das Alter

Wie alt sind die Maare?

Der älteste Vulkanismus datiert in die Erdneuzeit, das dritte geologische Zeitalter, das Tertiär, und ist 40 bis 50 Millionen Jahre alt, als die Saurier schon verschwunden waren und die ersten Landsäugetiere die Erde bevölkerten: Dies zeigt sich im Eckfelder Maar, berühmt durch seine Fossilien, darunter das nur 50 cm hohe Urpferdchen und die älteste Honigbiene: 45 Mio. Jahre ist es her, dass dieses Maar entstand und verlandete. Hierzu empfehlenswert ist das Maar-Museum Manderscheid. Der die moderne Landschaft prägende Vulkanismus ist viel jünger und gehört in das vierte geologische Zeitalter, das Quartär, die Jetztzeit. Die Maare datieren alle in die Urgeschichte, als das Klima zwischen Warmund Kaltzeiten („Eiszeit“) pendelte und gerade die ersten Menschen nach Europa kamen. Über rund 600 000 Jahre hinweg gab es schubweise vulkanische Aktivität, die heutigen Maare sind nur Zeugnisse der jüngsten Phase. Sie sind im Schnitt 10 000 bis 30 000 Jahre alt, und die Neanderthaler waren die ersten menschlichen Zeugen ihrer Entstehung. Die jüngste Explosion des Laacher Vulkans, die zur Bildung des Laacher Sees (Osteifel) führte, lässt sich ziemlich genau datieren auf 12.960 Jahre; seine Eruption schleuderte Unmassen Bims aus, welche das Rheintal zufüllten und den Strom aufstauten, seine Aschen verwehten bis ins Baltikum. Der Bims begrub ein Lager endeiszeitlicher Hirsch-Jäger - für die Menschen damals genau so eine Katastrophe wie heute ein Ausbruch des Mount St. Helens! Noch später erfolgte die Explosion des Vulkans, welcher das Ulmener Maar entstehen ließ: vor rund 11.200 Jahren. Quelle: GEO-Infoband „Vulkaneifel“ Herausgeber: Ldkr. Vulkaneifel/Daun 2002 Quelle: GEO-Infoband „Vulkaneifel“, Herausgeber: Ldkr. Vulkaneifel/Daun 2002 Holzmaar Strohner Märchen Das Alter




Die Entstehung

Wie entstanden die Maare?

Die Vulkane der Eifel waren nicht mit dem Aetna zu vergleichen, wo ein offener Magmaherd sichtbar vor sich hin kocht und Lava strömt. Der Vulkanismus ist vielmehr in großer Erdtiefe versteckt und den Menschen, früher wie heute, unsichtbar. Mit der Vulkaneifel von Bad Bertrich bis fast hinauf zur belgischen Grenze existiert eine Großregion, in der bis in die Tiefe von mindestens 400 km die Gesteine erhitzt sind durch aufsteigende heiße Gase (Eifel-Plume). Treffen diese heißen Ströme nun auf Grundwasser oder in Spalten versickerndes Oberflächenwasser, so kann es, bedingt durch Unterschiede in Temperatur und Druck, zu kurzfristigen Druckentladungen = Explosionen kommen. Die Kraft dieser Explosionen war höchst unterschiedlich, wie man an den kleinen oder großen, flachen oder tiefen Explosionstrichtern ablesen kann. Waren diese Trichter tief, oder brachen unterirdische Hohlräume nachträglich ein, so war eine Voraussetzung für die Bildung eines Maares gegeben; wenn dann noch wasserundurchlässige Schichten ein Versickern verhinderten, so konnte sich das Grundwasser langsam aufstauen und schließlich einen See von durchaus großer Tiefe entstehen lassen (s. Zeichnung). Das Vulkanhaus in Strohn gibt einen didaktisch sehr guten Einblick in den Eifel-Vulkanismus.

Das Pulvermaar ist mit stellenweise über 80 m Tiefe das tiefste „Auge“ und zugleich der tiefste See nördlich der Alpenseen. Diese 70 m sind aber nur ein Bruchteil der ursprünglichen Kratertiefe, welche von Geologen auf rund 300 m geschätzt wird. Die Kraft der Explosion - genauer: mehrerer Explosionen über einen Zeitraum von Wochen/Monaten - muss für die damaligen Bewohner der Eifel im Wortsinne atemberaubend gewesen sein und die Tage zur Nacht gemacht haben, da gewaltige Mengen an Steinasche und Steingrus (Lapilli) in die Luft geworfen wurden und einen Wall von einst wohl 100m Mächtigkeit hinterließen. Im Inneren des Trichters staute sich später Wasser auf: insgesamt mehr als 13 Mio. m³; der großen Tiefe wegen hält es eine konstante Temperatur von +4 C.

Der Wandel

Die Veränderung der Maare

Die Maare waren zuerst unwirtliche Gewässer zwischen rohen vulkanischen Gesteinen, gefangen innerhalb des Walls aus Tuff und Lapilli. Boden und Wasser waren lebensfeindlich, karg und ohne Humus der eine, kalt, tief und von aufsteigenden Gasen durchzogen das andere. Da ohne Zufluss, musste das Leben durch die Luft in den See kommen, d.h. wohl durch Vögel; erst in jüngster Zeit hat der Mensch eingegriffen und Aale/Krebse ausgesetzt. Die Steilheit des Trichters bewirkt eine starke Abschwemmung nach innen, wodurch sich die Hänge langsam, aber stetig abflachen und die Maare mit jedem Jahr der Verlandung näherkommen. Nur langsam wurden die Hänge bewachsen; heute bedecken sie des locker-trockenen Bodens wegen ein Trockenmagerrasen bzw. ein Eichen-Buchen-Mischwald (Das heutige Vorherrschen der Rotbuche sowie die Anpflanzung von Fichten & Lärchen sind der modernen Forstwirtschaft geschuldet!).

So tief das Pulvermaar auch ist, so hat der Prozess der Verlandung doch schon lange eingesetzt. Mehr als die Hälfte des ursprünglichen Trichters ist bereits abgetragen bzw. zugeschwemmt. In vielen Tausend Jahren wird ein nur noch flacher See existieren, wie andere Maare sich bereits heute darbieten. Das Strohner Märchen oder auch das Dürre Maar hinter Gillenfeld mit ihrer seltenen Hochmoorvegetation belegen ein Übergangsstadium zwischen Maarsee und endgültiger Verlandung. Das Immerather Maar war in Teilen des 19. und frühen 20. Jhdts. trocken gefallen und wurde als Kartoffelacker genutzt. Hier war es der Mensch, der aus touristischen Gründen der Verlandung Einhalt gebot. Ein Spaziergang vom Pulvermaar – vorbei am Römerberg, einem vulkanischen Berg aus Lavaschlacke – zum Strohner Trokkenmaar und weiter zum Immerather Maar bzw. Immerather Risch lässt alle Stadien der Maare vom tiefen See bis zum längst verlandeten Kessel auf das Schönste erkennen. Die Informationstafel zu Station 22 der Deutschen Vulkanstraße finden Sie auf Feriendorf-Gelände (am Parkstreifen).
Text: F. G. Fetten

Die Zukunft

Was bringt die Zukunft?

Nur wenige Anzeichen des Eifel-Vulkanismus sind in der Region erkennbar. Spektakulär ist der wallende Born in Wallenborn, eine Stoßquelle mit periodischem Wechsel zwischen Wasser-Gas-Eruption und Ruhephase (ähnlich den isländischen Geysiren). Daneben gibt es eine Vielzahl an Orten, an denen Gase vulkanischen Ursprungs austreten, insbesondere das tödlich wirkende Kohlendioxyd CO2, sei es trocken (sog. Mofetten), sei es als kohlensaures Quellwasser (Drees): Bekannt sind die Eifeler Sauerbrunnen mit eisen-, natrium- oder chlorhaltigem Wasser und die Thermalquelle Bad Bertrich. Auch wenn es Lava, Feuer und Aschewolken schon lange nicht mehr gab - der Vulkanismus der Eifel ist nicht erloschen! Gegen diese Annahme spricht die hohe Zahl an Vulkanen und Maaren auf engem Raume, verteilt über eine lange Zeitspanne. 600 Aktivitäten über 600 000 Jahre heißt: pro Jahrtausend ein Ereignis.

Natürlich kamen die Aktivitäten schubweise, und unstrittig ist, dass wir heute in einer bereits 10 000 Jahre weilenden Ruhephase leben. Doch irgendwann in ferner Zukunft wird eine neue Eiszeit kommen, irgendwann der nächste Vulkan explodieren. Denn die Plume im Untergrund ist immer noch heiß, und die Wissenschaft kann noch nicht erklären geschweige denn voraussagen, wie und wann diese Hitze wieder einmal den Weg zur Oberfläche finden wird. Die räumliche Nähe der zu unterschiedlichen Zeiten an die Oberfläche drängenden heißen Ströme lässt die Vermutung aufkommen, dass die aus der Vergangenheit bekannten Bruchzonen auch in der Zukunft gefährdete Stellen sein werden: Über Jahrhunderttausende hinweg haben Vulkane das Dreieck Gillenfeld-Strohn-Immerath geprägt - Und das wird auch in ferner Zukunft wieder so sein!
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